Reviews

Veröffentlicht am 26.01.2021 | von Melanie Gollin

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GOAT GIRL – On All Fours


Foto-© Holly Whitaker

There’s a hand reaching past the glands
Ripping out all of the contents
And there’s a sense of sadness
But only in what we’ve always been taught to listen with

(Goat Girl – The Pest From The West)

Wenn Bands ein Album veröffentlichen, steht ganz am Anfang die Frage nach den Single-Auskopplungen – welche ein-zwei Songs der kommenden Platte könnte den Hörer*innen den besten Eindruck von dem vermitteln, was da auf sie zukommt? Im Fall von Goat Girl hat man sich bewusst oder unbewusst dafür entschieden, mit Sad Cowboy genau das Gegenteil zu tun. Sad Cowboy ist eine galoppierende Single über lachenden Hunde und Mondlicht, ein bisschen zu lang, aber sonst rattenscharf. Fast erinnert es an Underworlds Born Slippy, nur halt mit 90er Gitarren. The Crack, die zweite Auskopplung, bringt mehr Politik in die dunkelblauen Rhythmen der Londoner Band und ist schon nicht mehr ganz so aufregend, aber dann haben Goat Girl noch schnell das lakonisch gute Badibaba hinterhergeworfen und dazu kann man sich dann wirklich hervorragend im Kreis drehen (einfach im Wohnzimmer, Tisch beiseite, geht gut). Alle drei Songs bauen Erwartungen auf, die das Album, auf das sie zuarbeiten, nicht erfüllen kann.

On All Fours ist das zweite Werk von Goat Girl, ein ausgezeichneter Titel. Erschöpft und unterwürfig. Aber wer Yoga macht weiß: der Vierfüßer ist auch eine der besten Positionen für den unteren Rücken und ohne einen starken unteren Rücken kann man nicht lange stehen und wer nicht lange stehen kann, kann nicht gegen “das System” kämpfen. Und das wollen Goat Girl doch. Also, zumindest wollen sie gegen das System sein. Es geht um Männer (ugh), psychische Gesundheit (schwer dieser Tage) und generell darum, wie furchtbar sich Menschen zueinander verhalten. Musikalisch fehlt die Rohheit vom ersten Album, die wurde mit Synthesizern grob verspachtelt. In Jazz In The Supermarket wehen geisterhafte Riffs durch leere Regale, P T S Tea konterkariert den bitteren Text mit sommerfreundlicher Musik, die an The School erinnert. Dass Anxiety Feel a capella startet und dann wattiert weiter schwebt, spiegelt das Thema des Tracks wieder – definitiv ein Highlight. Es steht immer noch die Mitternachtsluft von Stereolab und der Disko-Ansatz von Warpaint im Raum, insgesamt ist On All Fours allerdings zu lang, zu undynamisch und ein bisschen zu viel von dem, was in den letzten zwei bis vier Jahren schon oft zu hören war. Für sich genommen ein gutes Album, aber wenn man bedenkt, dass es ähnliche Bands wie zum Beispiel Pillow Queens gibt, deren kürzlich erschienenes Debüt In Waiting man stattdessen hören könnte, dann ist diese Platte leider schnell vergessen.

Goat Girl – On All Fours
VÖ: 29. Januar 2021, Rough Trade Records
www.goatgirl.co.uk
www.facebook.com/goatgirlofficial

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