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Veröffentlicht am 3.11.2021 | von Anne Beier

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SNAIL MAIL – Valentine


Foto-© Tina Tyrell

Spent the money, throwing ones at supermodels
Everybody wants to taste the wine
Line around the block, the judgment time
And how could you deny them that?
Body and blood, lover’s curse
Divine intervention’s too much work
I don’t need absolution, it just hurts
We’re not really talkin‘ now

(Snail Mail – Madonna)

2018 hat Lindsey Jordan aka Snail Mail mit gerade mal 18 Jahren und ihrem Debüt Lush international für Furore gesorgt – Kritiker:innen hin und weg, Touren ausverkauft, ein Start mit Turboantrieb. Und Jordan? Kam irgendwann nicht mehr hinterher. Die Musikwelt dreht durch, ihre Beziehung zerbricht und sie nimmt sich in einer Rehab-Klinik in Arizona 45 Tage Auszeit von der Welt. Dort hat sie angefangen, ohne jegliches Equipment zu schreiben. Ihr zweites Album Valentine erscheint am 5. November via Matador Records. Mit ihrer neu gefundenen Klarheit sowie dem Grundgerüst des Albums zog es Jordan nach Durham, North Carolina, wo sie sich mit Brad Cook (Bon Iver, Waxahatchee) den Winter Anfang 2021 über in dessen kleines Home Studio verkroch – und im Frühjahr mit einem genreübergreifenden fertigen Album zurückkehrte. Mit dabei waren außerdem die langjährigen Bandmitglieder Ray Brown und Alex Bass sowie der Techniker Alex Farrar, während nachträglich noch Streicher in den Spacebomb Studios in Richmond aufgenommen wurden.

Die erste Veränderung, die man hört, ist in ihrer Stimme. Sie ist rauer, kraftvoller, aber auch verletzlicher. Jordan wurde schon 2018 für ihre ungewöhnliche Reife bewundert, auf Valentine geht alles noch ein bisschen tiefer, ist alles noch ein bisschen reflektierter und dabei niemals kitschig oder langweilig. Jordan verbindet coolen Intellekt mit genreübergreifendem Indie, ohne sich in Experimenten zu verlieren. Musikalisch arbeitet sie auf dem Album elektronischer, mit Samples und Synthies kreiert sie unkonventionelle Indie-Pop-Songs, die im Ohr bleiben. Ben Franklin, Forever (Sailing) und Madonna sind interessant und eingängig. Vor allem Letzteres besticht durch Dynamik und Rhythmus. Beim Opener Valentine steigern sich Flüstertöne vor elektronischen Sci-Fi-Sounds zu einem ausgewachsenen Stadion-Rocksong. Wie gut sie die Gitarre beherrscht, beweist sie auf Songs wie Automated oder Headlock, das mit Dissonanzen in Sound und Lyrics besticht: „Can’t go out I’m tethered to / Another world where we’re together / Are you lost in it too?“ Aber egal, wie detailverliebt die Arrangements sind, Jordans Stimme steht immer im Mittelpunkt. Die kommt besonders bei den leisen und reduzierten Stücken wie Mia oder c. et. al. zum Tragen, die die Vielseitigkeit und Tiefe des Albums abrunden. Stars sind jedoch die schnelleren Songs, die modern und zeitlos, detailliert und eingängig sind.

Offenbar hat Lindsey Jordan mit ihrer zweiten Platte so einiges hinter sich lassen können. Herausgekommen ist ein Album, das nicht nur ein neues Kapitel für die Künstlerin, sondern vielleicht auch für das Indie-Genre aufschlägt. Wie wenig andere schafft sie es, Verletzlichkeit, Coolness und Abgeklärtheit zu mischen und sich sowohl musikalisch als auch textlich den Dissonanzen des Lebens hinzugeben. Absolute Hörempfehlung!

Snail Mail – Valentine
VÖ: 05. November 2021, Matador Records
www.snailmail.band
www.facebook.com/snailmailband

Snail Mail Tour:
03.03.22 Ampere, München
04.03.22 Groovestation, Dresden
12.03.22 Columbia Theater, Berlin
13.03.22 Knust, Hamburg
15.03.22 Gebäude 9, Köln

YouTube video

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