Kritik

Veröffentlicht am 22.02.2022 | von Malte Triesch

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BENEDETTA – Filmkritik


Foto-© capelight pictures / Koch Films

Ich kennen Gottes Wege nicht, aber ich weiß, dass er will, dass ich seine Wünsche umsetze.

(Benedetta – Benedetta)

Während sich die Pest in Europa ausbreitet, startet die junge Benedetta (Virginie Edira) im Kloster von Mutter Felicita (Charlotte Rampling) die Ausbildung zur Nonne. Obgleich der Alltag im Kloster dem jungen Mädchen aus wohlbehütetem Hause viel Demut abverlangt, überwindet sie, angetrieben von ihrer innigen Liebe zu Jesus, jede Herausforderung. Eine Liebe, die erwidert zu werden scheint, denn sowohl Menschen in ihrem Umfeld aber auch nicht zuletzt Benedetta selbst sehen Hinweise auf real bewirkte Wunder in ihrem Handeln. Neben der Liebe zu Gott und vor allem zu Jesus erwacht in Form von Schwester Bartolomea (Daphne Patakia) in ihr jedoch auch die fleischliche Liebe und die gar zum gleichen Geschlecht. Auf ihrem Leidens- und Liebesweg ist sie somit hin- und hergerissen zwischen Sünde und dem festen Glauben an die Liebe, dem Christlichen Glauben und der Instanz Kirche.

Regisseur Paul Verhoeven ist bekannt dafür mit seinen Filmen ganz bewusst zu provozieren. Dabei sind seine gesellschaftskritischen und satirischen Untertöne manches Mal popkulturell so gut verpackt, dass ein Großteil des Publikums sie nicht nur übersieht, sondern die Filme tatsächlich für das feiert, was sie eigentlich anprangern wollen. Die prominentesten Beispiele hierfür sind wohl Starship Troopers und Showgirls, ersterer funktioniert sowohl als reißerischer Actionfilm als auch Politiksatire, letzterer sowohl als schriller Erotikfilm wie auch als Drama. Soweit die Theorie, für viele Zuschauer funktioniert am Ende jedoch beides nur bedingt. Auch sein neustes Werk ist, ebenso wie seine Protagonistin, gefangen zwischen zwei Welten. Große Teile des Films stünden auch einem trashig sexualisierten Nunsploitation-Film gut zu Gesicht. So gibt es explizite lesbische Sexszenen und eine Marienstatue wird zum Sexspielzeug umfunktioniert. Jesus selbst wird in den Traumszenen Benedettas zwar nicht sexualisiert, aber immerhin als schwertschwingender Retter im Kampf gegen Schlangen und Banditen inszeniert. Szenen also, die nach einem sehr geselligen, lustigen Kinoabend klingen. Auf der anderen Seite wird dann jedoch wieder die Pest, die Rolle der Frau in der mittelalterlichen Gesellschaft und die Ignoranz, aber auch die positive Macht der Kirche, vielleicht nicht unbedingt immer realistisch, aber zumindest sehr einfühlsam gezeigt. Auch wenn der Regisseur sich nach eigener Aussage nicht anmaßt die weibliche Perspektive einnehmen zu können, ist die auf einer realen Person basierte Romanverfilmung doch klar aus dieser gedreht und macht dabei einen gar nicht mal so schlechten Job. Tatsächlich ist der Film ein sehr schöner Companion-Film zu seinem Frühwerk Flesh + Blood (1985), welcher, mit Rutger Hauer als Hauptdarsteller, die kriegerische, männliche Perspektive der gleichen Epoche analysiert.

Auch wenn Hauptdarstellerin Virginie Edira, mit der Verhoeven bereits in Elle zusammengearbeitet hat, ebenso wie der restliche Cast vollends überzeugt, bleibt am Ende ein Film für die Nische, auf den man sich einlassen wollen muss. Als reiner Nunsploitation-Film zu ernst, als ernsthaftes Kostümdrama zu trashig und vielleicht für manche auch zu sexy oder zu blasphemisch. Wer aber wie Verhoeven und Benedetta zwischen den Welten wandelt, der wird den Film genießen und dabei noch das eine oder andere lernen.

Benedetta (FR NL BE 2021)
Regie: Paul Verhoeven
Besetzung: Virginie Edira, Charlotte Rampling, Daphne Patakia, Lambert Wilson
Heimkino Release: 24. Februar 2022, capelight pictures

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Über den Autor

Malte wuchs im idyllischen Lilienthal, direkt an der Grenze zu Bremen, der schönsten Stadt im Norden Deutschlands, auf. Seine frühesten Film-Erinnerungen ist, auf dem Schulhof in der neusten TV Movie alles anzustreichen was gesehen und aufgenommen werden muss. Da die Auswahl an Horrorfilmen hier doch recht be- oder zumindest stark geschnitten war entdeckte er Videotheken für sich bzw. seine Mutter, da man diese ja erst ab 18 betreten durfte. Wenn er nicht gerade Filmreviews schreibt ist er wahrscheinlich im (Heim-)Kino oder vor dem Mikrophon für den OV Sneak Podcasts, SneakyMonday.



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