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Veröffentlicht am 2.02.2022 | von Lea Kleisinger

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TARA NOME DOYLE – Værmin


Foto-© Sonja Stadelmeier

There’s a method to my madness
I bottle up and sell my sadness
there’s a madness to your methods
you idolise and buy my efforts
do you need me to listen
do you need me to understand
do you need me to fill the silence
do you need me
I’m like a moth drawn to your flame
the more you give the more I take
we rage and pillage in loves name
but I don’t wanna play your games anymore
nurturing is in your nature
you cradle up and feed the danger
so, tell me will you be my lover
are you not afraid to suffer

(Tara Nome Doyle – Moth)

Was passiert wohl, wenn die majestätische Stimme Tara Nome Doyles und ihre tiefgehenden Klavierkompositionen mit den Synthesizer- und Engineering Skills von Simon Groff zusammentreffen? Es entsteht ein Konzeptalbum namens Værmin, das nichts für schwache Nerven ist. Diesmal entführt uns die Berlinerin, um mit uns die oft hässliche menschliche Natur von allen Seiten zu betrachten. Dabei benutzt sie zur metaphorischen Darstellung nichts geringeres als „Ungeziefer“. Von Liedern namens Blutegel über Schnecken bis hin zu Würmern hat die Künstlerin ein One Women Musical geschaffen, das seinesgleichen sucht. Dabei überrascht sie uns mit ihrer neu entdeckten, rohen Bruststimme, die sie wie ihren Gegenspieler in den Liedern einsetzt. Mit wechselnd süßer Kopfstimme oder dunkler, bitterer Bruststimme erzählt Værmin die Entwicklungen tragischer Liebesgeschichten.

Beginnen tut diese Geschichte mit Leeches I und somit der Betrachtung eines Märtyrers in einer Liebesbeziehung. Sie singt mit verletzlicher Kopfstimme vom ständigen Geben, ohne etwas Gleichwertiges zurückzubekommen: „Stop asking for more, for someone else to open your doors.“ Das Lied breitet sich langsam aus und zeigt uns sofort, dass dieses Album einen größeren elektronischen Einfluss hat, als ihre vorherigen Werke. Drums und Klavier geben dem Lied Körper und ein großes Finale. Es folgt Caterpillar, ein Lied, indem Tara aus der Sicht einer personifizierten Depression singt, die ihr Opfer in das falsche Gefühl der Bequemlichkeit lockt. Von Orgelklängen untermalt und treibenden Drums vorangetragen vereint sie mit ihrer tiefen Bruststimme Songtitel und Lyrics: „Sacrifice makes me swoon, come creep into my cocoon.“

Etwas positiver wird es mit dem wunderschönen Lied Snail I. Feine Streicher, perlendes Klavier und Drums geben die Grundlage für die lyrische Entdeckung einer langsamen Form der Liebe, die sich geduldig über die Zeit festigt und viel Zuwendung verlangt. In Crow verpackt sie, wie auch in ihrem letzten hoch gelobten Album Alchemy, die psychologischen Theorien Carl Gustav Jungs. Es handelt von einem gegensätzlichen Paar (Schatten und Persona) und spielt mit vielen Verweisen auf Shakespeare, die letztendlich das Ende der zum Scheitern verurteilten Dynamik beschreiben.

Mit dem grandiosen Lied Moth gelangen wir wieder auf die düsterere Seite des Albums. Nur Klavier und Streicher benötigt es, um eine von Emotionen geladene Stimmung zu schaffen, denn ihre tiefe, ungestüme Stimme singt erbarmungslos weiter – „You only want what you can’t tame, we rage and pillage in loves name.“ Flüsternd, fast fremdartig geht es mit Spider weiter und fast will man behaupten, dass Kate Bush auf Lana Del Rey und Billie Eilish zu treffen scheint. Jetzt erst kommt der zweite Teil von Leeches (II). Diesmal aus der Perspektive der von Zuneigung erstickten Person, die behauptet nie nach Liebe gefragt zu haben. Dabei wandelt sie gekonnt nur einen Teil der Lyrics um und nutzt ihre verzerrte, tiefe Stimme als Zeichen der Ungerührtheit.

Zu guter Letzt erklärt uns Tara Nome Doyle auf dem Titeltrack nochmal genau, was sie uns letztendlich mitgeben will. Nämlich, dass es immer zwei Seiten eines Erlebnisses gibt und man meistens für die jeweils andere blind ist. Eine Lösung für diesen Unglückbringer steckt schon im Albumtitel, denn Vær min heißt auf Norwegisch sei mein. Und so fordert die Berlinerin mit norwegisch-irischen Wurzeln dazu auf, sich beide Seiten der Münze zu eigen zu machen und so das „Ungeziefer“ willkommen zu heißen. Nichts lieber als das, wenn das besagte Getier in so schöne Worte und Melodien gekleidet ist wie auf Værmin.

Tara Nome Doyle – Værmin
VÖ: 28. Januar 2022, Modern Recordings
www.taranomedoyle.com
www.facebook.com/taranomedoyle

YouTube video

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