BULLY – Lucky For You


Foto-© Bully

Sometimes when I zone out at night
I forget you’re out of sight
Like living before you were gone
So I read up on the afterlife
I don’t believe in Jesus Christ
Just somewhere we can all belong.
And days move slow
I’m living in the same black hole
But there’s flowers on your grave that grow
Somethings gotta change, I know.

(Bully – Days Move Slow)

Bully hat sich inmitten des endlosen Stroms der 90er-Nostalgie als eine der lohnendsten Bands etabliert. Alicia Bognanno zeigt immer wieder die Fähigkeit, Gefühle in ekstatische und charismatische Rocksongs zu kanalisieren. Mit der tiefgründigen Diskografie haben Bully sich einen festen Platz erspielt und präsentieren mit Lucky For You ihr bisher bestes Album. Bognanno ist Meister*in darin, strahlende Alternative-Rock-Songs zu schreiben, die sowohl nostalgisch als auch dringlich klingen. Die Musik von Bully ist konsistent und beeindruckt mit ihrer komplexen Einfachheit. Sie erfinden das Rad nicht neu, sondern drehen es mit Stil.

Jeder Klang, der Lucky For You schmückt, ist präzise abgestimmt. Bognannos Gesang schwebt über dem Mix oder taucht geschickt in das Gewirr der Gitarren ab. Das Album ist dicht und voller Ideen. Nehmen wir zum Beispiel Hard To Love, das zwischen trip-hop-artigen Schlagzeugmustern, einem Pop-Song der 00er-Jahre und einem knarrenden Rock-Chorus wechselt, der Bognannos markante Heiserkeit gekonnt einsetzt.

Lucky For You endet mit einigen politisch geprägten Songs, die die Erschöpfung und Frustration darüber zum Ausdruck bringen, dass man aufgrund all des Schrecklichen, das in der Welt passiert, nicht genügend Raum bekommt, um angemessen zu trauern. Bei Ms. America versinkt Bognanno in Hoffnungslosigkeit, obwohl der Track sich aufgrund der kristallklaren Melodien fast erhebend anhört – “It’s hard when tragedy falls to watch the world keep moving on/ If you’re heading towards the dream, what’s another hit and run?” Und sofort stürzt das Album sich in Wut und Zorn. Auf dem kraftvollen Abschlusssong All This Noise, einem flammenden Appell an wiederkehrende Ängste, knurrt Bognanno – “I’m tired of waiting for change and debating; What else is there to do when you can’t escape the news”

Dies sind Ausnahmen oder besser gesagt der Abschluss eines Albums, das sich hauptsächlich auf eine Sache konzentriert: wie schwer und ungerecht es sein kann, über einen Verlust hinwegzukommen. Bognanno kehrt immer wieder zu den gleichen Gefühlen zurück, aber nicht in einer repetitiven Art und Weise, sondern um die Wunde zu betonen. Sie zeigt ihre tiefste Empfindsamkeit in A Love Profound, wechselt zwischen leisem Sprechen über die Lethargie, die mit dem Ende der Tage einhergeht, “It burdens me the most witnessing your lack of interest in the things that you once loved” und einem mitreißenden Hook, der energisches Mitwippen hervorruft – “Guess that’s just the way it go, we never really have control”.

Wie wichtig es ist zu verstehen, dass man über manches keine Kontrolle hat, scheint seine Zeit zu brauchen. Indem man jedoch Lucky For You hört hat man wenigstens die Kontrolle darüber gute Musik zu hören…

Bully – Lucky For You
VÖ: 2. Juni 2023, Sub Pop
www.bullythemusic.com
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Lea Kleisinger

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