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Veröffentlicht am 28.03.2017 | von Jonathan Hirschhäuser

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SLEAFORD MODS – English Tapas

I’m sick of the fat so far mixed in, mate, gluten free
Try scrolling down a website, the NME, without laughing
I’ll give you ten quid if you can keep a straight face
Honestly, just fucking try it, mate

(Sleaford Mods – Dull)

English Tapas also…Das heißt, Vorsicht vor den vielen miesen Rezept-Witzen. Irgendwer wird sicher schon geschrieben haben, dass Andrew Fearn einfach eine große Schüssel nimmt, eine heavy E-Bass-Line darin vier Minuten loopt, eine Prise Drums einstreut und das Ganze dann seinem Buddy Jason Williamson auftischt. Der wird dann sicher schnell seine allgegenwärtige Wut auskotzen wollen. Und fertig ist das neue Sleaford Mods Album.

Schäm‘ Dich, der Du das geschrieben hast! Du hast anscheinend nicht richtig aufgepasst, keinen Sinn für Humor oder den Stock nach dem letzten Jobgespräch im Hinterteil vergessen. Immer diese Leute, die meinen, über Musik schreiben zu müssen.

English Tapas also…auch 2017 hat sich an Sound und Attitüde des Duos aus Nottingham nichts geändert. Es sind weiterhin die “electronic munt minimalist punk-hop rants for the working class”. Die Selbsteinschätzung passt. Auch wenn man außerhalb des UK vielleicht nicht alle Zusammenhänge sofort versteht, merkt man schnell: Es gibt eine massive Unzufriedenheit. Williamson schafft es, mit einem wilden Mix aus alltäglichen Angelegenheiten und dem direkten Ansprechen von bestimmten Problemen einem großen Teil der britischen Bevölkerung aus der Seele zu sprechen. Das große Thema der aktuellen Politik, der Brexit, wird nur am Rande angesprochen. Generell werden keine eventuell kontroversen Meinungen vertreten. So schaffen es Sleaford Mods, sich nicht in eine politische Schublade zwängen zu lassen. Über die Haare des britischen Außenminister Boris Johnsons werden sich wohl viele Leute wie in Moptop lustig gemacht haben. Ganz nebenbei wird Kritik an den vielen Phrasenschleudern des Parlaments platziert. Auch wenn es nicht das Ziel ist, eine Stimme für die Arbeiterklasse darzustellen, sind es doch genau diese Gesellschafftsteile, die sich verstanden fühlen, wenn wütende Mittvierziger lautstark über die negativen Folgen der Globalisierung klagen. In Drayton Manored wird die immer größer, immer schneller, immer mehr Attitüde der westlichen Gesellschaft thematisiert. Ein Trip zum Supermarkt mit Uber, importiertem Bier, allgegenwärtigem Smartphones und deren zombieähnlichen Benutzern fühlt sich nicht nur für Williamson an wie eine Reise zum Mars.

Es sind die einfachen Dinge, die dominieren. Die musikalische Gestaltung ist gleichförmig. Die Texte werden weder gerappt noch gesungen. Die Sprache ist unverkünstelt; die Geschichten simpel. Dennoch ist English Tapas reizvoll. Die mitreißenden Emotionen sind leicht zugänglich und machen einfach Spaß. In diesem Akzent wirkt so ziemlich jede Geschichte authentisch. Spätestens nach dem vierten Song ist man so sehr selbst ein Sleaford Mod, dass man entweder stoisch zum Beat kopfnickt wie Fearn oder schweißbeperlt herumkeift wie Williamson.

Sleaford Mods – English Tapas
VÖ: 03. März 2017, Rough Trade Records
www.sleafordmods.com
www.facebook.com/SleafordModsOfficial

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