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Veröffentlicht am 9.04.2018 | von Christian Weining

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SUUNS – Felt

Foto-© Joseph Yarmush

Hey you I get the feeling,
I feel it every day,
it’s the same, same
Oh I’m kneeling,
I wish that I could say
what I’m tryin’ to say.

Oh yeah I get the feeling,
I feel it like I say, like I know you could do
Just livin’ and breathing
I wish that I could,
feel it too.

(Suuns – Make it Real)

Die Musik der kanadischen Band Suuns war noch nie etwas für schwache Nerven und so ist auch nicht das mittlerweile vierte Studioalbum Felt, das Anfang März bei Secretly Canadian erschienen ist. Wenn man ehrlich ist, ist Musik für schwache Nerven in solch fragilen und unruhigen Zeiten allerdings auch nicht immer authentisch. Suuns schauen dem dunklen Chaos lieber direkt ins Auge und verarbeiten das mit voller Inbrunst in elf überzeugenden Stücken.

Während wie gewohnt schwer zu verdauende psychedelische Klänge den größten Teil des Albums ausmachen, schleichen sich dennoch immer wieder kleine, harmonisch fast schon entspannte, Inseln ein, die den Puls senken und die Ohren durchatmen lassen.Die Stärke von Suuns liegt in der virtuosen Symbiose von Rock-Gitarren, Schlagzeug und allerlei elektronischen Instrumenten und Sounds. Bei X-Alt gelingt das eindrücklich, unterlegt mit einem, aus den Tiefen eines Techno Clubs, wummernden Beat. Trotz aller Bedrohlichkeit macht das richtig Bock! Zu allem Überfluss kommt dann auch noch ein Saxophon dazu und durchbricht kurz die aufgestauten Nebelschwaden. Jedes einzelne Stück ist ständig in Bewegung, weil gefühlt Takt für Takt etwas Neues dazu kommt oder überrascht. Watch You, Watch Me mit treibenden Drums, Noise-Attitüde, galaktischen Synthies und der Auto-Tune verzerrten schläfrigen Stimme von Ben Schemie führt in einen Tunnel aus angenehmer galaktischer Auflösung und der beängstigenden Realität in einer virtuellen Welt. Das klingt hier oft wie ein Notwist Live-Set, vielleicht mit etwas mehr Lärm.

Die harmonischen und sanften Ausflüge, oder genauer – die Ausnahme des Albums – ist Make it Real. Mit vergleichsweise minimalistischer Herangehensweise liefern Suuns hier einen entspannten Kopfnicker mit durchklingendem und betont analogen Schlagzeug und genau so viel Melancholie wie Leichtigkeit ab. Als würde man zwischen all dem Lärm und Durcheinander der Welt einmal kurz einen Blick in eine wohltuende Welt vornehmen und durchatmen: Make It Real! Während Daydream und Moonbeams dann noch einmal alles an experimentellem Soundgeschwadere rausholen, so dass man dann doch denkt: „Ok, das wird mir zu viel“, leuchtet mit Peace and Love ein zweites Mal eine der besagten Inseln aus dem dunklen Ozean.

Von gemächlichen Hip-Hop Drums über Saxophon Solos, virtuosem Soundchaos und gemütlichen Sonntags-im-Bett Tracks bringen Suuns alles auf ihrer neuen Platte Felt zusammen. Dabei bleiben sie sich treu, zeigen aber auch ihr Innovationstalent. Wenn es den vier Kanadiern mehr Bands nachmachen würden, dann wäre die Musikwelt, vor allem die der Rockmusik, sehr viel reicher. Und wenn Musik so viel rüberbringt und so viel Freude bereitet, dann darf sie doch hier und da auch anstrengend sein.

Suuns – Felt
VÖ: 2. März 2018, Secretly Canadian
www.suuns.net
www.facebook.com/suunsband

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