Reviews

Veröffentlicht am 15.01.2019 | von Christian Weining

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STEVE GUNN – The Unseen In Between


Foto-© Clay Benskin

I see a glimmer
Across the wall through the mirror
Out past the streets beyond the weather
To that place no one seems to know

(Steve Gunn – New Moon)

15 Alben in 11 Jahren! Das schaffen die wenigsten. Steve Gunn ist einer davon. Hierzulande nicht so bekannt wie in den USA, veröffentlicht der Songwriter aus Brooklyn mit The Unseen In Between sein mittlerweile achtes Solo- und 15. Album insgesamt und erhofft sich damit auch in Europa Fuß zu fassen. Kollaborationen hatte er in der Vergangenheit unter anderem mit Hiss Golden Messenger und niemand geringerem als Slacker-König Kurt Vile, für dessen Band The Violators er auch spielte.

Gunns Sound lässt sich allgemein irgendwo zwischen amerikanischem Folk und Indie-Rock verorten. Dabei fokussiert er sich auf melodiöse aber rauhe Gitarrenriffs, die mal mehr und mal weniger eingängig sind, aber insgesamt aus einem Guss zu stammen scheinen. Vieles klingt nach dem Klang der Vergangenheit und er selbst sagt über sein neues Album auch, dass er nach dem sehr elektrischen Vorgänger Eye On The Lines zurück zu den Wurzeln des Songwriting gehen wollte. Das gelingt ihm! Teilweise sind es die jaulenden ausschweifenden Solos, vor allem aber auch die Akustikgitarren, die immer wieder dafür sorgen, dass ein sehr echtes Neil Young Gefühl aufkommt. Dazu noch sehr schroff und lo-fi produziert.

Seine Gesangsweise hat abgesehen von der hohen Stimmlage etwas bluesiges, in dem Sinne, dass der Schwerpunkt auf dem Erzählen von Geschichten liegt und eben nicht in einer hymnenartigen Ausgestaltung. Das kommt sehr sympathisch daher, kann aber auch irgendwann etwas eintönig werden. Doch das macht wenig aus, wenn man sich den Texten hingibt. Die Geschichten, die Gunn erzählt sind meist von ihm losgelöst und erzählen vielmehr von anderen Menschen, die er beobachtet oder denen er begegnet ist. Ob sein verstorbener Vater, der Ladenbesitzer mit seiner Katze im Song Luciano oder der Vagabond: Gunn schafft es sehr berührend aus den Leben anderer zu erzählen. Und dann ergeben sich aus den teilweise etwas sperrig und manchmal zu sehr westernartig klingenden Stücken kleine detaillierte Zeichnungen, die gerne angeschaut werden, weil sie etwas verraten über das eigene Leben und das der Menschen um uns herum.

Man muss sicher ein Faible für den amerikanischen Gitarren-Folk-Sound haben um Steve Gunns neues Album vollends genießen zu können. Dann bietet es sehr viel und die verspielten und nicht ganz unkomplizierten Gitarrenriffs entfalten sich zu etwas in der Rockmusik lange nicht Dagewesenem, was bei all den atmosphärischen Synthesizern mal wieder gut tut. Doch so oder so lohnt es sich die Stücke nach und nach anzuhören, sich die Bilder seiner Geschichten vor Augen zu führen und hier und da nostalgisch zu werden.

Steve Gunn – The Unseen In Between
VÖ: 18. Januar 2019, Matador Records
www.steve-gunn.com
www.facebook.com/therealstevegunn


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