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Veröffentlicht am 24.02.2021 | von Christian Weining

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WOODLOCK – The Future of an End


Foto-© Michele Grace Hunder

As the depths of my heart call to deep
I am changing
There’s a calmness in knowing I’ve been
Born for the ages
There’s a fire that’s burning away
Everything I know will one day fall
In the distance I know that I see
I’m more than I’ve been

(Woodlock – Start Again)

Wie danach alles weitergeht? Was für einen großen Teil der Weltbevölkerung die derzeit zentrale Frage ist, war für Zech Walters nach privaten Schicksalsschlägen und einem anschließenden Breakdown schon einige Jahre vor der Pandemie schwer zu beantworten. Aufgefangen von seinem Bruder und Band Kollegen Eze Walters und deren Freund und Drummer Bowen Purcell entstanden allmählich Songs, die nach Antworten suchten. Mit The Future Of An End erscheint eine Auswahl dieser Songs nun bei Nettwerk als viertes Studioalbum der australischen Band, die ursprünglich vor allem durch ihren akustischen Folk-Pop auf den Straßen des roten Kontinents Beliebtheit fand.

Der tragischen Ausgangsstimmung folgend, hätte ihr bisheriger Sound sehr gut auch auf das neue Album gepasst. Stattdessen überraschen die drei Australier mit wesentlich mehr elektronischen Sounds, Synthesizern und poppigen Arrangements. Dies ist wohl vor allem dem absichtlichen Hoffnungsschimmer geschuldet, den Eze nachträglich auf die Songskizzen seines Bruders legte sowie der ganz praktischen Situation in einem voll ausgestatten Studio aufzunehmen. Während die Texte teilweise nach wie vor sehr existenziell und tragisch anmuten, tragen Synthies, schwungvolle Drums und fröhliche Melodien immer wieder aus der Tiefe heraus und erlauben tatsächlich hoffnungsvolle Höhenflüge.

Nicht zuletzt Feel It Coming ist eine energetische und einprägsame Indie-Hymne, die jedoch von einem frustrierten Wutausbruch handelt. Die Emotionalität, die Zech mit seiner durchdringenden und warmen Stimme in all die Songs legt, wäre jedoch nicht so omnipräsent auf dem Album, wenn nicht auch einige ruhige, melancholische Stücke wie Start Again oder In Your Mother’s Arms den Hörer immer wieder einfangen würden. Besonders wenn die Stücke eher im akustischen Folk-Gewand bleiben, könnte man sich die Australier gemeinsam auf einer Bühne mit den Iren von All The Luck In The World vorstellen. Aber auch in den ruhigen Momenten wird mit atmosphärischen Flächen, Samples und manchmal Beats immer wieder tief in die Produktionskiste gegriffen, wie bei Friends oder Idols (My Old Friend).

Ganz besonders hängen bleibt bis zum Ende der atmosphärische Opener The Watchmaker mit Krankenwagen-Sirenen, Uhrticken und kryptischen Sprachsamples, die nach Funkgerät klingen. Der Song holt uns in die Situation herein, in der sich Zech vor einigen Jahren selbst wiederfand: im Gespräch mit Gott auf dem Weg ins Krankenhaus, nach dem er mit seinem Auto gegen einen Baum gefahren war.

“I don’t think I’ve ever listened to the album through and not teared up”. Man mag über solche Aussagen über das eigene Album denken was man möchte, aber glauben tut man es ihm spätestens nach dem ersten Hören ganz bestimmt. Immer wieder etwas zu kommerziell anklingend, aber sicherlich nicht beliebig, liefern Woodlock mit The Future Of An End ein Album ab, das viele emotionale und hoffnungsvolle Momente bereithält. Und darum geht es doch.

Woodlock – The Future of an End
VÖ: 26. Februar 2021, Nettwerk Music
www.woodlock.com.au
www.facebook.com/WoodlockMusic

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