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Veröffentlicht am 5.03.2021 | von Elias Ott

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BILLY NOMATES – Emergency Telephone


Foto-© Jack Joseph Dalby

What is it this time
I already know
It’s dangerous
To stop the heart in full flow

(Billy Nomates – Emergency Telephone)

Songs über miese, unterbezahlte Bullshit-Jobs. Songs über Sexismus, Brexit und den rassistischen Onkel, der seine Klappe nicht halten kann. Songs, die zu ihrem Grundgerüst aus Laptop-Loops und drei Minuten kompromisslosem Working-Class-Rant bestehen. Kommt einem das nicht bekannt vor? Kam da nicht gerade ein Album von den Sleaford Mods?

Richtig, und manchen wird dort neben Jason Williamsons Sprechgesang die Stimme von Tor Maries aka Billy Nomates aufgefallen sein. Die in Bournemouth lebende Musikerin gehörte definitiv zu den Newcomern des Jahres 2020: Inspiriert von einem Mods-Gig 2019 sammelte sie ihre von den erwähnten Minimum-Wage-Jobs ausgezehrten Kräfte und veröffentlichte letzten August ihr selbstbetiteltes Debüt-Album via Geoff Barrows (Portishead) Label Invada Records: Ein kräftiges „Fuck You!“ – beziehungsweise No, wie der Titel ihrer ersten Single lautete.

Von der Isle of Wight, wo Billy Nomates den britischen Lockdown verbrachte, meldet sie sich jetzt mit einer EP zurück. Emergency Telephone macht da weiter, wo das Album aufhörte: mit einer Absage, zunächst auf Heels an antiquierte Rollenbilder: „I’ve no duty to be all smiles or nice“. Klar, die beiden Minimal-Punks aus Nottz sind dabei unverkennbare Vorbilder – aber Nomates Sound spricht für sich selbst. Wo die einen ihre Beats so stumpf durchhämmern wie eine entfremdende Neun-Stunden-Schicht, lässt es sich – und das ist nicht zu unterschätzen, wie wir seit Emma Goldmans (falsch zugeschriebenem) Zitat wissen – zu Nomates Revolution ausgezeichnet tanzen. Während sie dabei auf dem Vorgänger zwischen Zähnefletschen und trockener Abgeklärtheit wechselte, kommen jetzt neue Facetten hinzu: Petrol Fumes wartet mit herzzerreißend melancholischen Synthesizern und romantischen Lyrics (ja, „You’re my petrol fumes“) auf und ihr Gesang auf dem langsam pulsierenden – wirkt wie eine Reminiszenz an ihre früheren Jahre in Bristols Folk-Szene.

Dabei rauscht, knistert, wählt und klingelt es in allen Songs: „Emergency telephone / ringin‘ on the wall / But what does it want?“ Das im Titeltrack besungene Notfalltelefon kann im – manchmal isolationsbedingten – Kommunikationschaos als Wunsch nach einer klaren Verbindung verstanden werden, einer direct line, während es im Herzen regnet. Billy Nomates ist auf ihrer EP sowieso gut zu verstehen – und man darf gespannt sein, was es von ihr noch zu hören gibt.

Emergency Telephone (EP)
VÖ: 5. März 2021, Invada Records
www.iambillynomates.com
www.facebook.com/billynomatestor

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