Reviews

Veröffentlicht am 16.04.2021 | von Saskia Böttjer

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GRETA VAN FLEET – The Battle at Garden’s Gate


Foto-© Universal Music

I never want to fall asleep
Within our dreams the weight we saw, we reap
Though I believe the sun still shines
And I believe there comes a time
When out of silence we will sing
And even broken bells will ring
Not all the answers are the same
Yet we still play thе game

(Greta Van Fleet – Broken Bells)

Diese Band ist ein bisschen drüber, wenn man das so sagen darf. Allein schon der Gesang: Was für Greta Van Fleet das Herausstellungsmerkmal ist, die leicht schrill-markant, eher hohen Stimme Joshua Kiszka, kann für einige zu viel sein. Aber mal ehrlich, das ist Glam-Rock. Da geht es eben genau um das: um das, was zu viel ist, um Show. Wir finden hier die Theatralik von Queen, markanten Gesang ähnlich zu Aerosmith oder Classic-Rock wie bei Journey.

Ein recht umfangreiches Paket also, das von der Opulenz ihrer letzten Jahre inspiriert ist, geschrieben auf den Straßen der Welt. Woanders haben sich die Amerikaner seit dem einschlägigen Erfolg ihres Debüts und der Hit-Single Highway Tune auch nicht befunden. Turbulente letzte drei Jahre mit einem kometenhaften Aufstieg von Grammy-Auszeichnung bis weltweiten Festivalshows. Da ist doch die Frage berechtigt, ob es ein bisschen mehr sein darf? Denn das ist schließlich vollkommen in Ordnung: “We realized that while growing up, we had been shielded by many things, and we were unaware of a lot of things”, so Schlagzeuger Danny Wagner. “But as we started to travel a lot, meet new and different people and experience different cultures, our definition of ’normal‘ changed.”

Sie haben die Bestätigung für sich als Band und ihre Art der Musik bekommen. Wie ich finde zu Recht. Gute Songs, bestens produziert von Greg Kurstin (Paul McCartney, Foo Fighters, Adele) im klassischen Rockgewand – da wirbeln die Finger über die Gitarren, das Schlagzeug bängt, die Hammondorgel summt – so soll es sein. Klar, man muss in der richtigen Stimmung sein, von ihrer Wucht durchgepustet zu werden. Aber genau dieses bringt auch etwas Gutes, klingen die Fragen der Zeit hier doch nicht ganz so bedrückend, andererseits wieder sehr aktuell, wenn der Chor in Age of Machine singt: „We need some healing“. Deshalb ergänzt Bassist Sam Kiszka: “Everything – our perception of the world, perception of life itself, what it means to be an artist, what it means to be part of a beautiful, gorgeous society. We’ve gained a larger understanding of why we’re all here.”

Diese globale Lebenseinstellung rechtfertig dann auch ihre rockige Attitüde: Sie sind halt eine Band, die die Show und das Besondere liebt. Da passt dann eben auch ein episches The Weight of Dreams mit fast neun Minuten ans Albumende, dass mit fettem Gitarrensolo, Streichern und allem Pipapo ein Finale mit Feuerwerk entspricht. Oder das Video ihrer aktuellen und richtig guten Single Heat Above: „[It] is theatrical, eloquent, and exaggerated. This is a dream in the clouds, a moment of peace in the storm. Thematically, we are dead center in the cult of Heaven, surreal, strange, alive and free”. Dabei geht es um etwas sehr Bodenständiges in dem Song, gemeinschaftlich etwas zu erreichen: “There’s plenty of love left in this world, even though it may not seem like it.“

Dieses Album macht deswegen Spaß, weil es musikalisches Können ernst, aber die Perspektive auf das Leben und die eigene Position darin mit einem gewissen Humor nimmt. Hier geht es um Freiheit, Liebe und eine gewisse Leichtigkeit, die ich gerade gerne in mein Wohnzimmer mitnehme, oder auch gut – auf die Autofahrt bei heruntergekurbeltem Fenster. Bisschen drüber darf ja sein!

Greta Van Fleet – The Battle at Garden’s Gate
VÖ: 16. April 2021, Republic
www.thebattleatgardensgate.com
www.facebook.com/gretavanfleet

YouTube video

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