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Veröffentlicht am 30.06.2021 | von Elias Ott

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SQUIRREL FLOWER – Planet (i)


Foto-© Tonje Thilesen

I’m a space rock, burning fast
I’m an oil tank, burning slow
You didn’t listen long enough to know

(Squirrel Flower – I’ll go running)

Es kommt als Randnotiz daher, doch dass Ella Williams aka Squirrel Flower ihre um Unglück und Heilung kreisenden Songs für Planet (i) schon vor Corona geschrieben hatte, erinnert daran, dass sich längst vor der Pandemie einiges zusammenbraute. Ob Persönliches oder Globales, ob die eigene Gesundheit, Beziehungen oder die Klimakrise: Den Nachfolger ihres Anfang 2020 veröffentlichten Debüts I Was Born Swimming hat Williams auf jeder Ebene vergangenen wie lauernden Katastrophen gewidmet.

Und wo sie hereinbrechen, ist auch die Katharsis nicht weit, auch wenn es zunächst eine leise bleibt: Mit sanfter wie selbstsicherer Stimme eröffnet Williams das Album, während E-Gitarren wie Lichter am dunklen Horizont aufflackern: „I’ll be newer than before.“ Wie wahr dieses Versprechen ist, zeigt sie nicht nur im ruppigen Hurt a Fly, wenn sie in die Rolle eines manipulativen Liebhabers schlüpft. Die leicht verhuschten Songs des Vorgängers, die ein wenig mit ihrer Unbestimmtheit kokettierten, sind hörbar stofflicher geworden. Und wenn es eine Sturmflut ist, die wie auf Big Beast die Lo-Fi-Ästhetik der ersten Takte mit sich reißt: Statt im Reverb-Ozean zu versinken, hat Williams gemeinsam mit Produzent Ali Chant (u.a. PJ Harvey) und Adrian Utley (Portishead) das Spiel mit den Elementen selbst in die Hand genommen.

Was mitunter zwischen hingehauchter Indie-Weisheit und geradliniger Rock-Geste an Alleinstellungsmerkmalen verloren geht, macht nicht nur die ausgefeilte Produktion wieder wett. Williams Dynamik reicht von krachenden Riffs bis zum sparsamen, um wenige Soundschichten angereicherten Charme der intimen Iowa 146 und Starshine – und in seinen besten Momenten kombiniert Planet (i) beide Pole zu einem Sog aus nervenzehrender Zukunftsangst und aufwallendem Selbstvertrauen.

Damit ist Squirrel Flower von wenigen Lückenfüllern abgesehen ein abgeklärtes zweites Album gelungen. Eine hörbar im Fluss befindliche Künstlerin lässt sich schließlich von keiner Katastrophe abhalten.

Squirrel Flower – Planet (i)
VÖ: 25. Juni 2021, Full Time Hobby
www.squirrelflower.net
www.facebook.com/sqrrlflwr

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