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Veröffentlicht am 16.07.2018 | von Christian Weining

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RYLEY WALKER – Deafman Glance


Foto-© Evan Jenkins

Once fear
Now the meek can will me
I was just shaking
The others saw through me

Untapped minding
The past is still thinking
Maps misguided
The patterns are empty

(Ryley Walker – Opposite Middle)

Mit seinem fünften Studioalbum Deafman Glance taucht der 28-jährige Ryley Walker diesen Sommer wieder auf der Bildfläche des Indie Folk auf. Mit einem zusammengewürfelten Ensemble und der Unterstützung von Holzbläser Nate Lepine, der u.a. auch mit Iron & Wine zusammenarbeitet, ist ein starkes Stück Musik entstanden.

Trotz diverser Beteiligter außerhalb der Aufnahmekabine und verschiedener Studios klingt Walkers Album Streckenweise sogar ein wenig lo-fi und fast live, was den Charakter des Albums prägt und aus den Stücken selbst zu kommen scheint. Was Walker nämlich bestens gelingt ist das Erzeugen von Spannung. So ist alles vollkommen durchgeplant, wie er selbst erklärt und trotzdem herrscht das Gefühl von Improvisation vor. Tempo, Lautstärke, Harmonien und Stimmung wechseln innerhalb eines jeden Songs ständig und der Hörer wird so gut wie nie in Ruhe gelassen, um in den einzelnen Passagen zu verweilen, die das entweder durch gemütliches Fallenlassen oder aufmerksames Kopfnicken eigentlich hergeben. Gleichzeitig sind die vielen Einzelteile wunderbar aufeinander abgestimmt, so dass sich sogar durch die Songs hindurch und über das Album ein Gesamtzusammenhang ergibt.

Walkers virtuoses Gitarrenspiel und das seiner Kollegen Brian J Sulpizio und Bill Mackay nehmen den Hauptteil des Albums ein, während Gesang und Text eher nebenher passieren und die Aufmerksamkeit dabei auf die Gitarren gelenkt wird. Folk, Jazz, Blues, Hardrock und Songwriter verschwimmen ineinander und reichen sich gegenseitigen den Takt in die Hand. Mal ganz klassisch in US-Folk Manier wie bei Expired, mal wild-experimentell wie bei Accomodations. Aber auch poppig-leichte Passagen wie bei 22 Days oder Opposite Middle finden ihren Platz und besitzen dabei viel Tiefgang. Hier wirkt nichts gespielt oder aufgesetzt und hat man das Album gehört, meint man Ryley Walker schon recht gut zu kennen. Ist er auch sicherlich kein großer Sänger, tut die ehrliche und etwas zerbrechliche Stimme Walkers seinen Teil dazu bei. Der bereits genannte Lepine schafft es zu dem, Flöte & Saxophon so einzubringen, dass man vom ersten Hören an das Gefühl bekommt, als gehöre Flöte einfach zu den elementaren Instrumenten einer guten Band. Das haben bisher wenige geschafft!

Mutig ist auch das recht simpel gehaltene Rocks on Rainbow, dass nichts anderes ist, als ein angenehm gezupftes Solo-Gitarrenstück. Dies klingt tatsächlich nach Ryley Walkers Bild von Chicago: „Like a train constantly coming towards you but never arriving“ Was soll man sagen? Es funktioniert!

Deafman Glance klingt nach viel Arbeit und noch mehr Detailarbeit. Dennoch bleibt offen wie viel am Ende in den Studios und Küchen improvisiert wurde um zu Walkers einmaligem Sound zu kommen. Wer genug von langweiliger Musik hat, kommt bei Ryley Walker auf seine Kosten. Mag es dabei auch Passagen geben, die sich nicht ganz leicht ins Ohr bewegen, meist steckt eine Schönheit und Leichtigkeit in den Songs, die durch die poetischen Texte und den starken Charakter sich zu einem kraftvollen und aufrichtigen Kunstwerk verbinden.

Ryley Walker – Deafman Glance
VÖ: 18. Mai 2018, Dead Oceans
www.ryleywalker.com
www.facebook.com/ryleywalkerjams

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