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Veröffentlicht am 5.02.2021 | von Elias Ott

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ANNA B SAVAGE – A Common Turn


Foto-© Ebru Yildiz

I had a common turn lying in bed next to him
I tried to explain
I take his hook out from my cheek
And place it in his hand

(Anna B Savage – A Common Tern)

Auf den ersten Wirbel folgte die Stille. Als Anna B Savage 2015 ihre erste EP veröffentlichte, erwischte die große Aufmerksamkeit – darunter Touren mit Father John Misty und Jenny Hval – die in London lebende Musikerin unvorbereitet. Sie begann, ihren Fähigkeiten zu misstrauen, litt an Schreibblockaden – und die ständige Selbstreflexion in ihren Songtexten wuchs zur bedrückenden Frage, ob sie überhaupt weiter Musik machen könne.

Zu behaupten, A Common Turn klinge, als sei sie nie weggewesen, wirkt da wie ein wohl gemeintes Lob, das Savage ganz und gar nicht gerecht wird. Zu offen und ehrlich erzählt sie aus diesen sechs Jahren, als dass man diese Periode einfach wegwischen könnte: „Three years and still worried it’s a mediocre album“ heißt es in Dead Pursuits; „I don’t know if this is even real / I don’t feel things as keenly as I used to“ singt Savage in Corncrakes. Immer wieder brechen die sparsam instrumentieren Songs aus ihrem fließenden, manchmal lauernden Aufbau, als würde ihre Dynamik den Entstehungsprozess des Albums widerspiegeln. Da wechselt Fingerpicking in pumpende Synthesizer, befeuert ein stampfender Rhythmus die gerade eben noch pure Singstimme oder lösen zuckende Electronica die spröde Akustikgitarre ab.

Allmählich zieht die an- und abschwellende Intensität die HörerInnen hinaus auf’s offene Wasser, wo sie im Titelsong A Common Tern mit Savage und ihrem Ex-Partner Seeschwalben („Common Terns“) beobachten. Der Vogelflug zieht sich als Motiv durch die Texte, in denen Savage gekonnt zwischen schonungslosen Beschreibungen und traumartigen Metaphern balanciert. Den Angelhaken, der sie in der toxischen Beziehung hält, löst sie schließlich aus ihrer eigenen Wange. Damit steuert das Album auf seinen kathartischen Höhepunkt zu: Über Chelsea Hotel #3, das als Statement weiblicher sexueller Selbstermächtigung eine Antwort auf Leonard Cohen formuliert, rappelt sich Savage wieder auf. Zum Schluss ist sie One, allein, done mit Bodyshaming und Co., aber hat die ständigen Fragen gegen Forderungen eingetauscht.

Damit auf dem langen Weg alle mitkommen, legt die Produktion zum Ende jedes Songs allerdings verlässlich nochmal eine Schippe drauf, wo Savage das Album doch längst durch ihre Stimmgewalt tragen könnte. „Be savage, Anna!“, möchte man rufen – oder hält einfach mal die Klappe, denn mit diesem runden, reifen Debüt ist die Londonerin längst auf dem richtigen Weg.

Anna B Savage – A Common Turn
VÖ: 29. Januar 2021, City Slang
www.annabsavage.com
www.facebook.com/AnnaBSavage

Anna B Savage Tour:
22.10.2021 Molotow Sky Bar, Hamburg
28.10.2021 Kantine am Berghain, Berlin
31.10.2021 Heppel & Ettlich, München
08.11.2021 Bumann & Sohn, Köln

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